Lieber Volksfreund – Offener Leserbrief

Der erste dezentrale Parteitag in der Geschichte Deutschlands ist dann jetzt auch mit ein paar Komplikationen abgefrühstückt. Presseecho gab es auch schon. Und ich muss mich ganz ehrlich fragen ob der Trierische Volksfreund hierbei entweder befangen oder schlichtweg stümperhaft gearbeitet hat.

Die Headline lautete “Aufbruch und Untergang”. Sie wurde mittlerweile online abgeändert ging aber so und nicht anders in Print. So ein Titel darf durchaus benutzt werden, dann sollte allerdings auch klar gestellt werden wer oder was, wieso da gerade untergeht. Natürlich verliert sich darüber nirgends ein Wort. Man kann gerne Kommentare veröffentlichen, aber wenn es ein Bericht sein soll, dann doch bitte nach den Regeln des Handwerks.

Daher ein paar Fragen an den Volksfreund:

  • Gibt es einen Kreisverband einer Partei in Trier und Umland der es in den letzten dreißig Jahren gelungen ist einen Meilenstein in der parlamentarische Geschichte zu setzen ?
  • Welcher Kreisparteitag der letzten 30 Jahre in der Region hatte bis zu 100 Zuschauer zeitgleich – zum Teil aus aller Welt ?
  • Gibt es eine Partei, die es schafft ein solch umfassendes Projekt wie einen dezentralen Parteitag durch ehrenamtliches Engagement vieler einzelner mit unter 1000 € Budget umzusetzen ?
  • Gibt es in der Region Kreisverbände, die an einem Wahltag einen Anruf vom Bundesvorsitzenden erhalten, der sich für herausragendes Engagement bedankt?
  • Gibt es Kreisverbände in der Region, die bei ihrer Arbeit aus dem gesamten Bundesverband unterstützt werden ?
  • Gibt es Kreisverbände die an einem Tag Geschichte schreiben können, einen komplizierten Test durchführen und dabei auch noch inhaltlich arbeiten können ?

Die Antwort ist in allen Fällen: Piraten. – Ich glaube an der Sache mit den Aufbruch ist was dran.

Also lieber Volksfreund wo bleibt jetzt der Untergang ? Wenn alles oben beschriebene Zeichen des Untergangs sind, grabe ich mich gern weiter vor -bis zum Erdkern.

Mit lieben Grüßen,
Christian Hautmann

 

 

 

5 Kommentare zu Lieber Volksfreund – Offener Leserbrief

  1. Du trägst aber ganz schön dick auf ;) Da ich über die Veranstaltung (mit)berichtet habe und auch diese Überschrift vorgeschlagen habe, kann ich dazu gerne was sagen – es ist übrigens meine private Meinung: Die Zeile ist pointiert, keine Frage – aber sie gibt den Kern der Beobachtungen wieder, die im Text stehen. Das Ereignis war ohne Zweifel der Versuch, Neuland zu betreten, also ein Aufbruch, und wird auch als solcher gewürdigt. Dass z.B. Bernd Schlömer eigens angerufen und gratuliert hat, steht im Text. Aber der Preis dieses Feldversuchs waren unzählige prozessuale Unsicherheiten und Geschäftsordnungsdebatten, die den Trierer Versammlungsleiter zur zeitweisen Kapitulation brachten. Auch das steht im Text. Wo also ist hier der „Untergang“? Nun, wenn die Versammlung aufgrund dieser beobachteten und berichteten Schwierigkeiten zeitweise an den Rand der Handlungsfähigkeit gerät und wichtige inhaltliche Anträge dieses Programmparteitags herunterfallen müssen, weil Unklarheiten bei der GO bestehen, dann ist das markante Label des Untergangs meiner Meinung nach auch berechtigt. So sehe ich die Sache. Und immerhin hast Du der ersten Hälfte meiner Zeile ja Recht gegeben – zwei Seiten einer Geschichte liegen also sehr oft sehr nah beieinander. Grüße!

    • Marc Salm sagt:

      1. Wenn die Überschrift doch eigentlich so ok gegangen wäre, warum wurde sie dann nachträglich geändert? Ich tippe mal darauf, dass ein Redakteur das dann doch nicht mehr ok gefunden hat. Vielleicht weil die Überschrift eine überzogene Wertung dargestellt hat, die über die Aufgaben eines Reporters hinausgehen. Nur mal so geraten.

      2. Bitte belege doch mal, welche inhaltlichen Anträge wegen Unklarheiten der GO fallen gelassen wurden. Ich war dabei und es wurde kein einziger wegen der GO fallen gelassen. Das Zurückziehen von Anträgen wurde immer damit begründet, dass die Anträge noch nicht ausgereift seien, was ja auch vollkommen legitim ist. Auf einem nicht dezentralen Parteitag wäre es nicht anders gelaufen.

    • Jochen sagt:

      Ja, lieber Kim-Björn.
      Wie Ihre Kollegen auf http://www.16vor.de/index.php/2012/05/07/triers-piraten-betreten-neuland/ korrekt beschrieben, waren die GO-Anträge Teil des Tests und kein Problem, das man als Untergang des Konzepts bezeichnen könnte. Es sei denn, man sucht das Haar in der Suppe.

  2. Christian Hautmann sagt:

    Ich möchte hier nochmal erwähnen, dass wir den Parteitag einem Stresstest unterzogen haben. Während dem sechsstündigen Parteitag wurden mehr Geschäftsordnungsanträge gestellt, wie auf dem zweitägigem Bundesparteitag in Bingen. Und dies hat uns trotzdem nicht daran hindern können programmatische Beschlüsse zu fassen.

    Daher ist “Untergang” definitiv untreffend, da wir trotz des GO-Beschusses noch inhaltlich arbeiten konnten.

  3. Jonny sagt:

    Ich finde die Überschrift auch unglücklich gewählt. Aber die Presse mag diese dramatischen Formulierungen ;) Untergang klingt halt piratig. Insgesamt finde ich den Text im Großen und Ganzen stimmig. Vielleicht färbt das Forschungsfeld von Kim-Björn Becker auch ein wenig auf ihn ab. Wenn man in den Abgrund schaut, schaut dieser eben immer auch ein wenig zurück und lässt einen Untergänge sehen, die nicht da sind :) nichts für Ungut ihr beiden!

Hinterlasse einen Kommentar zu Kim-Björn Becker Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>