Hautmann

Wachstumsschmerzen

Da ich in der letzten Zeit versucht habe meine Energien auf den kommenden dezentralen Parteitag zu richten, ist es hier still geworden. Der fulminante Wahlsieg im Saarland blieb ebenso unerwähnt, wie das rasche Mitgliederwachstum, das durch den Wahlsieg und die gesteigerte Aufmerksamkeit durch die Presse erfolgte. Die Öffentlichkeit will wissen wer wir sind, was uns umtreibt und wo wir hin wollen. Wir sind ihnen eine Antwort schuldig und ich werde versuchen zu liefern. Die Einordnungsversuche seitens der Presse und der politischen Gegner beginnen an jedem erdenklichem Anknüpfungspunkt – daher ist es auch nicht verwunderlich, dass wir von allen Seiten beleuchtet werden. Derzeit überschlagen sich die Ereignisse und die Berichterstattung – die Basis jagt Eichhörnchen und wir haben vor allem eins: Wachstumsschmerzen.

Der Piratenkodex

Ich fand den Kodex, bei Recherchen für die Piratenfibel. Diese Fibel soll ein Schriftdokument werden, dass  Neueinsteigern und Interessierten hilft uns und unsere Strukturen zu verstehen. Es soll einen Leitfaden liefern und Politikeinsteigern dabei helfen, aktiv zu werden und uns tatkräftig zu unterstützen. Ich wusste nicht ob ich den Kodex verwerten sollte, aber umso weiter es um uns eskaliert und ich das Gefühl habe, dass sich die Piraten durch die aktuellen Ereignisse aufreiben lassen, umso mehr bin ich davon überzeugt, dass dieser Kodex -zumindest in reformulierter Form – notwendig ist, damit wir unsere Wurzeln nicht vergessen und unsere eigene Identität entwickeln und kultivieren können.

So mögen unsere Glaubenssätze lauten (Lucky Seven):

Piraten sind freiheitsliebend

Wir achten und schützen unsere Freiheit und die der anderen. Wir entscheiden frei und unserem Gewissen verpflichtet. Wir lassen uns nicht bestechen und widerstehen  Zwängen die unsere Freiheit und die unserer Mitmenschen bedroht.

Piraten sind fair, friedlich und tolerant

Wir achten das körperliche und seelische Wohlergehen unserer Mitmenschen. Wir behandeln unsere Mitmenschen fair und erquicken uns an der Vielfalt und am Facettenreichtum des Lebens. Wir begrüßen, achten und fördern Pluralismus in Idee und Gestalt.

Piraten teilen und mehren Wissen

Wir setzen uns für die freie Wissensgesellschaft ein. Wissen und Kultur zu teilen ist der Schlüssel zu Chancengerechtigkeit und zu einer materiell, geistig und kulturell wohlhabenden Gesellschaft. Wir engagieren uns für Bildungsfreiheit und Chancengleichheit.

Piraten sind originell und schlicht

Wir suchen einfache und verständliche Lösungen für komplizierte Probleme. Nachvollziehbare Regeln sind der Schlüssel für fruchtbare Teilhabe.

Piraten sind couragiert

Wir kämpfen für unsere Ziele und treten für sie ein. Wir sind weder verwegen noch ängstlich. Wir reflektieren unser Handeln und unser Denken. Wir stehen zu unseren Fehlern und sehen sie als Teil unserer Entwicklung. Wir betrachten uns als Prozess und nicht als Tatsache.

Piraten denken global und handeln nachhaltig

Wir sehen uns als Mensch – nicht als Nation. Wir suchen Lösungen die für uns, unsere Nachbarn und unsere Kinder gelten können.

 Piraten achten Schöpfung und Besitz anderer

Wir behandeln Werk, Schöpfung und Besitz anderer mit Respekt.

 

Die Lucky Seven sind das wesentlichste, was ich an Extrakt aus dem Kodex gewinnen konnte. Bei den derzeitigen Geschehnissen rund um uns, sehe ich leider jedes der Ideale hier oder dort verletzt. Wir haben uns nie die Zeit genommen Maxime explizit für uns zu formulieren, die Lucky Seven begegneten mir allerdings in all unserem Handeln und Wünschen. Kein Wachstum ohne Schmerz und derzeit tut es weh – uns allen.

Ich habe uns kennengelernt als eine Bewegung die eigene Gütemaßstäbe setzt und Dogmen in Frage stellt. Wir haben uns nicht den Erwartungen anderer untergeordnet ,dieses Feuer sollten wir uns bewahren. Man will uns zum erwachsen werden zwingen – doch wir sollten uns nicht zwingen lassen! Wir sollten Ihnen das spielen beibringen! Wir sollten ihnen beibringen wie mit einfachen Mitteln (1) und höchstem Einsatz (6), der Große Wurf gelingt (6+1).

 

Nova Schola für Lesefaule

Wir ihr wisst habe ich Nova Schola entwickelt. Vielerorts ist mir aufgefallen, das die Hürde doch relativ groß für lesefaule Menschen weshalb ich einfach mal in folgendem Video den Erklärbär spiele. Falls ihr also wissen wollt worum es geht schaut euch einfach das hier an:


nova-schola von Christian_Hautmann

Obsoleszenz, Verbraucherschutz und Transparenz mal anders

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Ich seh es ein: Vielen bleibe ich eine Antwort schuldig. Was ist Obsoleszenz? Ich wurde gefragt und ich beantworte es. Ich fasse es in drei Worten zusammen:

Für den Müll.

Obsoleszenz kommt von obsolet – ergo: geplante Überflüssigkeit. Dies mag nach einer Belanglosigkeit klingen, es steckt jedoch viel dahinter, sowohl materiell als auch ideell. Die materielle Variante ist ein Problem des Verhaltens und die ideellle ist ein Problem des Denkens, beide sind tragende Probleme der westlichen Kultur.

 

Materielle Obsoleszenz

 

Fiese Sache, allen bekannt, aber wenig trivial wenn man sich die gesamten Ausmaße erdenkt: Wir produzieren für den Müll. Dies tun wir in vielerlei Ausrichtungen. Es werden gesamte Getreideernten verbrannt, um die Marktpreise stabil zu halten während Menschen hungern. Es werden Produkte geplant so produziert, dass sie nach der Gewährleistungsfrist kaputtgehen. Ein lehrhaftes Video habe ich ja bereits gebloggt. Die “für die Tonne”-Mentalität ist vielen bekannt, die Ausmaße, nicht unbedingt. Wir verschwenden Energie, Rohstoffe und Arbeitskraft – somit Lebenszeit – damit, Dinge zu produzieren, verkaufen oder zu entsorgen die kein Mensch braucht. Wikipedia hilft mal wieder:

Die geplante Obsoleszenz ist Teil einer Produktstrategie. Beim Herstellprozess werden in das Produkt bewusst Schwachstellen eingebaut, Lösungen mit absehbarer Haltbarkeit oder Rohstoffe von schlechter Qualität eingesetzt. Das Produkt wird schnell schad- oder fehlerhaft, kann nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden. Der Kunde will oder muss es ersetzen.

Was ist also die adäquate Antwort?

Verbraucherschutz natürlich! Wenn ich es mir recht überlege, treten wir ohnehin schon für viele Dinge ein, die den Verbraucherschutz betreffen. Das Recht auf Privatkopie, Recht auf Privatssphäre und Transparenz – bisher allerdings nur auf Staatsebene. – Wieso eigentlich ?

Wenn wir mit der Transparenz auf Staatsebene aufhören, vergessen wir einen wichtigen Faktor, den wir (gemeint sind Piraten) selbst oft genug bemängeln. Der Staat trifft seine Entscheidungen nicht mehr selbstständig. Er trifft Entscheidungen abhängig von der Wirtschaft. Sofern wir keine Transparenzansprüche an die Wirtschaft stellen, werden wir nicht nachvollziehen können, ob Entscheidungen in der Exekutive unseres Bundes, Landes oder der Region sinnvoll gefällt wurden. – Daher greift die Forderung nach einem transparentem Staat streng genommen nicht weit genug.

Wenn wir den Hebel wollen, den wir brauchen, um ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, dürfen wir nicht bei der Transparenz des Staates aufhören. Wichtiger ist es den Menschen möglich zu machen, herauszufinden welche Produkte sie kaufen, welche Eigenschaften diese Produkte haben und wann sie aufhören werden zu funktionieren. Zudem müssen auch die Gewährleistungspflichten verlängert werden.

Insgesamt müsste der Verbraucher über folgende Aspekte des Produktes Informationen erhalten, damit er eine vernünftige Kaufentscheidung fällen kann:

 

  • Wieviel Energie/ Rohstoffe wurden zur Herstellung benötigt?
  • Wieviel Energie wurde für den Transport aufgewandt?
  • Wie lange wird das Produkt nutzbar sein?
  • Wie groß ist die Gewinnspanne des Produktes?
  • Wurden die Arbeitskräfte fair bezahlt?
  • Was sind die Inhaltsstoffe?
Sicherlich kann man sich von einem Kunden wünschen nur “gute” Waren zu kaufen, dafür fehlt ihm allerdings derzeit schlichtweg die Grundlage. Grund: mangelnde Transparenz. Der Wunschtraum vom souveränen Verbraucher endet dort, wo die Transparenz der Unternehmen endet.

 

Ideelle Obsoleszenz

 

Dieser Punkt ist noch weniger trivial als der erste. Wir greifen Gedanken auf um sie wegzuwerfen. Für viele Probleme gibts es Ursachen, die tiefer sind, als dass was uns phänomenal entgegentritt.  Wir treffen  Adhoc-Entscheidungen und hoffen, dass sie funktioneren. “Neuwagenprämie”, “Bankenrettung”, “EU-Rettungsschirm” sind Maßnahmen, die schon von vornherein dazu vorprogrammiert  sind zu scheitern, weil sie das Problem nicht an der Wurzel fassen. Das Problem ist hier dem Überfluß an Informationen in der Informationsgesellschaft und die mangelhafte Aufarbeitung und Diskussion der Inhalte.

Dieser Drang danach zwingend aktuelle Begebenheiten gegenzuregulieren führt meines Erachtens zu drei Problemen:

  1. Einem bald nicht mehr nachzuvollziehendem Regelwerk bzw. Rechtssystem
  2. Zu Regulationseffekten, die wiederum reguliert werden müssen
  3. Zur Verwaisung bestehender funktionaler Konzepte

Der dritte Punkt mag kontraintuitiv erscheinen, er ergibt sich jedoch aus der Struktur des politischen Systems. Ressourcen in Form von Arbeitskraft sind auch in beschlussfassenden Gremien begrenzt, wächst ein Regelsystem steigt die Anzahl von Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Regeln. Es wird schwieriger Kausalitäten zu erkennen, was oft dazu führt, dass Phänomene entstehen, die wiederum zu fundamentalen Fehleinschätzungen führen. Dies gilt natürlich auch für das Wachstum von Informationsquellen.

In der materiellen Obsoleszenz ist Neophilie ein entscheidender Faktor – in dem Fall als der Drang etwas neues zu besitzen. In der ideellen Obsoleszenz bedeutet dies eher die Neigung sich neuen Informationen zuzuwenden und neuen Lösungen. In der Psychologie gibt es einen Namen für den Prozess, der Neophilie verursacht, er nennt sich Habituation. Dieser Effekt in der grundsätzlichen Informationsverarbeitung ist derart basal, dass er selbst schon bei Schaltkreisen einer Seeschnecke nachgewiesen kann, die lediglich drei Neuronen besitzt.

Wir stellen an diesem Punkt zusammenfassend fest, dass sowohl Wissen als auch Meinungen exponentiell anwachsen, und der Mensch in nicht geringem Grad dazu neigt neue Erkenntnisse gegenüber den alten vorzuziehen, auch wenn sie weniger fundiert sein mögen.

Dadurch werden Meinungen, Erkenntnisse und Reflexionen zu Wegwerfprodukten. “Die normative Kraft des Faktischen” wird zum politischen Gradmesser und Fakten die geschaffen wurden werden folglich zum handlungsweisenden Bias. Dieser aktualpolitische Bias verzerrt den Blick auf das Wesentliche und damit auch auf den Blick auf die adäquate Lösung.

Daher sehe ich es nicht als Verlust, sondern als Gewinn an, dass die basisdemokratische Ausrichtung der Partei uns vor tagespolitischen Schnellschüssen bewahrt. Die Konzeption eines robusten Regelwerkes erachte ich als wichtiger, als die Regulation von zeitlich begrenzten Phänomenen. Basisdemokratie darf man in diesem Sinne durchaus als doppeldeutig sehen:

In der Basisdemokratie werden neue Lösungen erst konsensusfähig, wenn sie dem Großteil der Beteiligten als sinnvoll erscheint. – Wenn sie an der Wurzel wirken und nicht am Blatt. Bis dieser Beschluß gefasst wurde, ist die aktuelle Wirtschaftskrise, die Fußball-WM oder nächste Konzernpleite längst vorbei. Ich sehe es als echte Chance, dass versucht wird ein Regelsystem zu erstellen, das nicht im “Rausch der Gegenwart” generiert wird, um dann schnellstmöglichst wieder obsolet zu werden.

Was ist also das Heilmittel gegen Habituation ?

Ganz klar: Deliberation – an der Basis.

 

Viele Kleckse für ein Farbenmeer

Klecks1

Vor einiger Zeit, habe ich von der Schülerzeitung des Thomas-Morus-Gymnasiums aus Daun eine Anfrage für ein Interview bekommen. Sie haben mir einige Fragen geschickt, die ich dann brav beantwortet und per Email zurückgesandt habe mitsamt einiger Links über unsere Arbeit. Heute habe ich den Briefkasten geöffnet und durfte endlich einen Klecks in der Hand halten.  Ich war relativ unvoreingenommen, aber so eine geile Schülerzeitung habe ich bisher noch nicht gesehen. Es ist schon fast ein kleines Büchlein und das Layout ist Bombe. Gelesen habe ich erstmal nur mein Interview, aber der Rest wird nachgeholt – versprochen. Das absolute Highlight ist für mich natürlich das gemalte Portrait von mir – ich glaube ich sollte mir mal ein paar Kopftücher besorgen, steht mir scheinbar.

Nun wollt ihr sicher wissen, was man über mich und die Piraten dort lesen durfte. Gerne doch, hier habt ihr die Scans:

 

Dezentraler Kreisparteitag Trier – Ein Feldversuch

Neues Jahr – Neues Glück. Pünktlich zu Weihnachten erhielt ich von den Piraten ohne Grenzen die Zusage, einen dezentralen Kreisparteitag finanziell zu unterstützen. Definitiv mein kuhlstes Weihnachtsgeschenk. Stattfinden wird dieser am 06. Mai diesen Jahres in Trier. Nun werden sich einige Nichtpiraten vielleicht fragen was ein dezentraler Parteitag sein soll und was der Vorteil an einem dezentralem Parteitag ist.

Basisdemokratie und ihre Fallstricke

Zuerst ist anzumerken, dass die Piraten basisdemokratisch sind. Wir haben uns gegen ein Delegationssystem entschieden, weil wir davon überzeugt sind, dass Menschen die Möglichkeit bekommen sollen eigenverantwortlich ihre  Interessen vertreten zu können. Dies lässt ein Delegiertensystem nicht zu, da man die Verantwortung in Wort und Stimmgewicht an andere weitergibt.

Allerdings hat Basisdemokratie auch ihre Schwächen. Es ist ein großer organisatorischer Aufwand für die Partei, da Räume für mehrere Tausend Menschen bereitgestellt werden müssen. Andererseits haben die Mitglieder relativ hohe Aufwendungen wenn der Parteitag weit entfernt ist.

Damit ist auch Denkbar, dass die Grundgesamtheit der Abstimmenden sich je nach geographischer Lage des Veranstaltungsortes maßgeblich ändert und nicht das gleiche Abbild liefern würde als wäre er woanders ausgetragen worden. Gerade knappe Entscheidungen wie die Befürwortung des BGE in Offenbach, hätten eventuell gekippt werden können, wenn der Veranstaltungsort weiter südlich gewesen wäre, da die Bayern im allgemeinen dem BGE eher skeptisch gegenüberstehen.

Warum keine Onlineabstimmungen und was ist mit Liquid Democracy ?

Häufig wird ins Feld geführt, dass Onlineabstimmungen doch viel pragmatischer wären und davon abgesehen auch asynchron stattfinden können. Menschen sind also zeitlich und räumlich flexibel wenn sie mitbestimmen wollen. Diese Punkte sind uneingeschränkt richtig, allerdings gibt es gute Gründe dafür ein solches Vorgehen abzulehnen.

  1. Wird es schwierig Online-Abstimmungen gegen Manipulationen Abzuschirmen, es völlig auszuschließen ist de facto unmöglich.
  2. Ermöglichen Liquid-Democracy Tools Delegationen, was zumindest den basisdemokratischen Gedanken meines Erachtens ad absurdum führt.
  3. Ermöglichen Onlineabstimmungen das bewerten von Anträgen, die von der Person eventuell im Vorfeld nicht diskutiert wurden, oder derart einseitig diskutiert wurden, dass man nicht behaupten könne, dass die politische Meinungsbildung schon abgeschlossen war.
  4. Weiß man, dass Fragebögen (Was anderes ist ein Abstimmungstool nicht, ein Stimmzettel allerdings auch nicht) relativ unsorgfältig ausgefüllt werden. Hierbei ist aber auch bekannt, dass Befragungen über das Internet schlechter das Befragte abbilden, da eine Tendenz dazu herrscht achtsamer mit Papier und Stift als mit Clicks umzugehen.
Was sind die Vorteile eines dezentralen Parteitages ?
  1. Ist der Aufwand der Mitglieder geringer an der Versammlung teilzunehmen.
  2. Nimmt man durch Teilnahme an der Versammlung auch zwangsläufig an der Diskussion teil, die oftmals noch einmal die gebildete Meinung verändert.
  3. Kann man auf Delegationen verzichten.
Wie sieht ein dezentraler Parteitag idealerweise aus?

Im Trierer Falle wird es wahrscheinlich einen Parteitag mit zwei Zellen geben. Jede Zelle wird die Versammlungsämter für die jeweilige Zelle. Im Anschluss daran werden die Parteitagsämter gewählt, die die Versammlung zellenübergreifend koordienieren.

Konkret bedeutet das, das es drei Streams gibt: Zelle 1, Zelle 2, und Zellübergreifende Versammlungsleitung. Die Redebeiträge werden von den einzelnen Zellen zugeschaltet und die Wahlergebnisse in den einzelnen Zellen ausgezählt und abschließend summiert. Die Versammlungsleiter vor Ort nehmen GO-Anträge auf und tragen die Teilnehmer in die Rednerlisten ein. Für die Zuschaltung der einzelnen Redebeiträge ist dann die zellübergreifende Versammlungsleitung zuständig. Diese soll von den beiden Einzelversammlungen abgekoppelt sein, damit sie unbefangen agieren kann.

Ausblick

Ich bin gespannt wie das Experiment laufen wird. Es steht uns noch viel Organisationsarbeit bevor und es kann viel schiefgehen. Wenn es allerdings klappt diesen Feldversuch erfolgreich abzuschließen, steht einem ungebremstem Mitgliederwachstum nichts mehr im Wege. Ich danke hier nochmal ausdrücklich den Piraten ohne Grenzen.

Weihnachten und geplante Obsoleszenz

Weihnachten ist just vorüber – Ich denke ein wenig über das Konsumverhalten der Menschen nach. Kapitalismus vs. Planwirtschaft sind Vergleiche die sich aufdrängen. Und immer wieder ein Thema: Geplante Obsoleszenz. Was ist das ?

Geplante Obsoleszenz ist der vorprogrammierte Produkttot, der dazu führen soll, dass das Kaufverhalten auf das regelmäßige Erneuern von Konsumgütern ausgerichtet wird. Zu unterscheiden sind hierbei:

  • Obsoloszenz durch Verschleiß
  • Obsoloszenz durch Neophilie

Produkte können also so generiert werden, dass sie schnell kaputt gehen, oder dass nachfolgende Produktgenerationen Features bereitstellen, die durch die vorhergehende Generation nicht abgedeckt werden. Mit dieser Ausrichtung der Produktion gehen verschiedenste Probleme einher:

  1. Wird zu unnötigem Kauf angeregt.
  2. Wird Müll produziert.
  3. Wird die Gewährleistungspflicht umgangen.
  4. Werden Produkte durch sich ändernde Standards unbrauchbar.
Dies wirkt sich zwar positiv auf die Produktvielfalt aus, allerdings werden wichtige Kriterien bei der Herstellung der Produkte nicht reflektiert – zumindest. nicht aus Verbraucherperspektive.
Verbraucher sollten ein Anrecht haben auf:
  1. Langlebige Produkte
  2. Reparable Produkte
  3. Guten Service
  4. Abwärts- und Aufwärtskompatibilität
  5. Gesicherte umweltverträgliche Entsorgung der Produkte
Daher sollten wir als Piraten mal versuchen, genau diese Dinge zu ermöglichen. Was denkt ihr wie das geht ?

 

OK54 nachgefragt

Der OK54 hatte mich um ein Interview gebeten, denn natürlich sind die Trierer ganz heiß drauf die lokalen Piraten kennenzulernen. Das Resultat dazu gibts hier:

Occupy Wallstreet – Wo hakt das System?

Die Occupy-Wallstreet-Bewegung breitet sich immer weiter aus, ich bin gespannt ob sie noch weiter wachsen wird und wie lange sich diese Bewegung noch medial und organisatorisch behaupten kann. Die Gründe für ihr entstehen sind klar, doch was könnten Antworten auf die Probleme sein, die so viele Menschen auf die Straße brachte ?

Lustigerweise hat dort wo heute die Wall-Street ist ein Wall die Bürger vor Angriffen geschützt. Der Wall fiel, die Straße blieb – und wurde Symbol für ein System, dass keine Grenzen kennt und genau diese benötigen würde, damit verhindert werden kann, dass die Menschheit unter die Räder gerät.

Klar ist, dass Märkte reguliert werden müssen – doch auf welche Art und Weise ? Ich schildere hierzu meine ganz eigenen Ansichten:

  1. Der Geldschöpfungsprozess muss in staatliche Hand. Wie entsteht eigentlich Geld ? Und wer entscheidet, welchen Wert es hat ? Sofern man diese Frage nicht beantworten kann ist jedwede andere Regulierung des Finanzmarktes ohnehin uninteressant. Daher gibt es Menschen, die sich dafür aussprechen, dass es neben den drei vorhandenen Staatsgewaalten (Exekutive, Legislative, Judikative) eine vierte geben soll: die Monetative.
  2. Der Zinseszinsen sollten verboten werden. Es ist ok Zinsen zu nehmen wenn man Darlehen vergibt, allerdings führen Zinseszinsen zu ideeller Wertschöpfung die materiell nicht in Gegenwert vorhanden sein kann. Es gibt auch Bewegungen, die sogar Zinsen im Allgemeinen als verwerflich betrachten, hier ist vor allem islamic banking interessant.
  3. Sollte das Steuerrecht derart vereinfacht werden, dass die Versteuerung von Umsätzen von Unternehmensseite nicht durch Finanztransaktionen oder Investitionen in andere Länder umschifft werden kann. Gleiches gilt für die Steuerlöcher im Einkommenssteuerbereich.
  4. Sollte es eine Finanztransaktionssteuer geben, darüber hinaus könnte man auch darüber nachdenken ob man Finanztransaktionen quantitativ eindämmt. Denkbar wäre eine Regel wie: Man darf innerhalb eines Monats nur 20% seines eigenen Aktienanteils an einem Unternehmen verkaufen, sofern man über 10% des Aktienanteils des Unternehmens besitzt. Dies verhindert schnelle Panikverkäufe durch mächtige Einzelanleger.
  5. Müssen Ratingverfahren nach internationalen Standards erarbeitet werden, welche stärker die materiellen Werte der Unternehmen berücksichtigen, damit soll verhindert werden, dass große Preisschwankungen aufgrund von abenteuerlichen Geschichten generiert werden, die allerdings nichts an der materiellen Beschaffenheit und der Funktionstüchtigkeit des Unternehmens ändern.

 

Alle diese Dinge sind Mammutsaufgaben und einzelne Aspekte davon greifen schlichtweg nicht, wenn man nicht über den nationalen Tellerrand hinausschaut. Ich finde es nur verwerflich, dass viele dieser Dinge schon lange im Gespräch sind und sich bisher leider noch niemand fand, der allein auf nationaler Ebene bereit war diese Regularien vorzunehmen.
Gerade die Piraten haben die Möglichkeit hier innovative Wege zu gehen, wenn man uns lässt. Ich wäre stark dafür, wenn es auf Bundesebene mal einen Call for Papers und einen Call for Concepts gäbe. – Go for it.

 

Allein unter “Liberalen”

Gestern fand der KPT der FDP-Trier statt. Ich war als Gast zugegegen. Die Eindrücke waren vielfältig und vor allem interessant für das was Piraten im weiteren Verlauf ihrer politischen Arbeit beachten sollten. Sowohl was das positive als auch was das negative betrifft.

Part 1 – Der eigentliche KPT der FDP

Meine Entscheidung den KPT zu besuchen war eher spontan. Ich kenne einige der Akteure die anwesend waren durch die Hochschulpolitik oder aus dem persönlichem Umfeld, und dachte mir, es wäre sicherlich einmal interessant, mal ein wenig hinter die Fassaden zu  schauen,  bei Parteien die schon etwas länger Politik betreiben.

Geladen war für 18.30, es begann etwas später- allerdings kam mir das nur gelegen, da ich so noch ein paar Gespräche führen konnte. Das eigentliche Programm begann mit einer Kurzzusammenfassung vom ehemaligen Vorsitzenden über die Geschehnisse in Bund, Land, Kreis und Stadtrat. Ulkigerweise gab sich die FDP trotz aller Probleme optimistisch – allerdings wissen auch die Piraten etwas vom Lied der Gutgläubigen zu singen, da wir ohne eine gebührende Portion Durchhaltevermögen und den Glauben an uns selbst wahrscheinlich nie in den Berliner Landtag eingezogen wären.

Anschließend wurden die Kandidierenden vorgestellt, wobei schnell ersichtlich wurde, dass sich der neue Kreisvorstand fast nahezu vollkommen aus ehemaligen Julis zusammensetzt, man kann also von einem Generationswechsel sprechen. Dies wird sich meines Erachtens auch inhaltlich widerspiegeln.

Nach der Vorstandswahl kam es dann zur Programmatik: Die blaue Lagune war das Thema – Ich melde mich um mich zum Thema zu äußern. Da Gäste kein Rederecht haben, folgt eine Abstimmung über eine inofizielle Pause in der ich mich äußern kann. Rede – inhaltliche Gegenrede: Mitglieder zahlen um hier reden zu dürfen.

Mich ergreift die Polemik: “Piraten lassen Doppelmitgliedschaft zu, gebt mir nen’ Mitgliedsantrag!”, mir wird geantwortet: ” Bei uns ist das leider nicht möglich.” – Achso, noch nicht einmal Mitgliederbeiträge (bares Geld) helfen mir hier weiter… und das unter Neoliberalen – wir sind am Ende. Mein Redebeitrag wird allerdings trotzdem knapp mit 14:10 Stimmen zugelassen. Ich äußere mich weder pro noch contra Laguna und filetiere das Thema in die eigentlichen Diskussionpunkte, immerhin fünf an der Zahl, die selten in der Summe derart erwähnt werden. Einzelne Redebeiträge beschränken sich auf einzelne Inhalte. Es wird Pro-Laguna gestimmt und der formelle Teil des Abends in den informellen Teil überführt.

Ich habe versucht zwischen den Zeilen zu lesen und durfte feststellen, dass die Piraten durchaus die Parteienlandschaft in Umwälzung Versetzen – versteckt hört Andeutungen zu mehr Transparenz und Bürgernähe.

Part2 – Wein, Unterhaltungen und Entwicklungsaufgaben für die Piraten

Nach dem offiziellem Teil kam die KPT-Party und damit auch Raum zu vielen Gesprächen mit der FDP-Basis. Divergenzen zwischen Bund, Land und Kreis werden deutlich, die eigens geschaffenen Strukturen der FDP schafft Kommunikations und Wertebarrieren.

Nun zu den Piraten: Wir haben diese Barrieren nicht. Und das ist auch gut so. Allerdings haben wir strukturelle Barrieren, dadurch, dass wir derzeit unserer Kommunikation nicht angemessen kanalisieren. Wir werden blind durch Vielfalt. In Mailinglisten rauschen täglich zwischen 50 – 100 Mails herein, oft nur Gedankenfragmente oder To-Do-Schnipsel. Jeder darf für sich selbst wieder zusammenfriemeln, was für die Arbeit die er im Moment leiste relevant ist und was nicht. Wir lesen uns zu Tode.

Gedankenfragment hierzu:

Wir sind im Aufschwung. Bekommen täglich neue Mitglieder. Unsere Kommunikationsstrukturen sind allerdings in keinster Weise auf solche eine große Anzahl von Mitgliedern ausgelegt. Wir kommunzieren uns zu Tode, weil:

1. Kriegen wir zu viel Zeug was wir unsere Arbeit nicht brauchen. – Arbeite ich thematisch brauche ich kein Orgazeug und Vice Versa.

2. Verkommt die Mailingliste zum Teil zu einer Art Chat mit ulkigen Veruchen soziale Fellpflege zu betreiben, was jedoch weder organisatorischen noch inhaltlichen Gehalt hat

Ergo: Sollten wir mal über unsere Kommunikationsstrukturen nachdenken.

Doch nicht nur Kommunikation spielt hier eine Rolle sondern auch unsere basisdenokratishe Ausrichtung: Basisdemokratie schön und gut – allerdings werden wir schon bald bei konstantem Mitgliederwachstum an unsere Grenzen stoßen – mal wieder strukturelle Grenzen.

Problem: Liquid Democracy-Tools: Liquid-Feedback kann zwar als internes Meinungsbildungstool fungieren, allerdings sind Wahlen damit nicht möglich,da diese Wahlen nicht verfassungskonform wären, da prinzipiell nachvollziehbar.

Gleiches gilt zumindest technich auch für Adhocracy, zudemdiese Plattform in der Regel offen ist für Nutzer von auen und damit unbrauchbar für interne Abstimmungsprozesse. (Zumindest wenn man nicht selbst eine Instanz hostet und ggf. noch anpasst)

Der derzeitig einzige Weg ist meines Erachtens derzeit sich mit dezentralen Parteitagen auseinanderzusetzen.

 

Doch zu guter letzt: Wir sind die Guten! Wir haben die Kekse! Wir können was reißen. müssen aber unsere Methoden und Vorgehensweisen reflektieren.

 

 

 

Adhocracy im Test für Kommunalwahlprogramm der Piraten Trier

Ich habe mich gestern mal spontan hingesetzt und testweise eine Instanz von Adhocracy für die Ausarbeitung des Trierer Kommunalwahlprogramms eröffnet. Da es momentan ganz danach aussieht, als wenn wir neue Lösungen brauchen um sowohl thematische Arbeit als auch organisatorische Arbeit  besser zu koordinieren. Für den einen Teil – die thematische Arbeit – ist Adhocracy vorgesehen. Für das Problem organisatorischer Arbeit habe ich allerdings auch was im Auge, worüber ich später berichten werde, wenn das entsprechende Tool installiert wurde.

Adhocracy zählt sich zu den Liquid Democracy Tools und ermöglicht es programmatische Anträge vorzubereiten und sogar abzustimmen, wobei die Nutzung meinerseits vorerst als Arbeitstool vorgesehen ist, da Entscheidungen über Programmanträge nach wie vor und zu guter Recht dem jeweiligen Parteitag final getroffen werden.

Nichts desto trotz ist es sinnvoll für die programmatische Arbeit auch Menschen aus anderen Regionen und Bürger Triers mit einzubeziehen, da gute Impulse aus jedweder Richtung entstammen können. Ich hoffe daher, dass sich nicht nur die Trierer mal die Zeit nehmen ein wenig zu stöbern, zu editieren, ihre Meinung kund zu tun und ihr Voting zu geben, sondern auch der Landesverband Rheinland-Pfalz.

Sofern der Umgang mit dem Tool ertragreich ist, könnte ich mir vorstellen, es sowohl in der Hochschulpolitik als auch in der Kommunalpolitik etablieren zu wollen. In diesen Fällen soll es allerdings keine Pirateninstanz mehr sein, sondern explizit von der Hochschule / dem Stadtrat für bürgernahe Politik realisiert werden.