Allein unter “Liberalen”

Gestern fand der KPT der FDP-Trier statt. Ich war als Gast zugegegen. Die Eindrücke waren vielfältig und vor allem interessant für das was Piraten im weiteren Verlauf ihrer politischen Arbeit beachten sollten. Sowohl was das positive als auch was das negative betrifft.

Part 1 – Der eigentliche KPT der FDP

Meine Entscheidung den KPT zu besuchen war eher spontan. Ich kenne einige der Akteure die anwesend waren durch die Hochschulpolitik oder aus dem persönlichem Umfeld, und dachte mir, es wäre sicherlich einmal interessant, mal ein wenig hinter die Fassaden zu  schauen,  bei Parteien die schon etwas länger Politik betreiben.

Geladen war für 18.30, es begann etwas später- allerdings kam mir das nur gelegen, da ich so noch ein paar Gespräche führen konnte. Das eigentliche Programm begann mit einer Kurzzusammenfassung vom ehemaligen Vorsitzenden über die Geschehnisse in Bund, Land, Kreis und Stadtrat. Ulkigerweise gab sich die FDP trotz aller Probleme optimistisch – allerdings wissen auch die Piraten etwas vom Lied der Gutgläubigen zu singen, da wir ohne eine gebührende Portion Durchhaltevermögen und den Glauben an uns selbst wahrscheinlich nie in den Berliner Landtag eingezogen wären.

Anschließend wurden die Kandidierenden vorgestellt, wobei schnell ersichtlich wurde, dass sich der neue Kreisvorstand fast nahezu vollkommen aus ehemaligen Julis zusammensetzt, man kann also von einem Generationswechsel sprechen. Dies wird sich meines Erachtens auch inhaltlich widerspiegeln.

Nach der Vorstandswahl kam es dann zur Programmatik: Die blaue Lagune war das Thema – Ich melde mich um mich zum Thema zu äußern. Da Gäste kein Rederecht haben, folgt eine Abstimmung über eine inofizielle Pause in der ich mich äußern kann. Rede – inhaltliche Gegenrede: Mitglieder zahlen um hier reden zu dürfen.

Mich ergreift die Polemik: “Piraten lassen Doppelmitgliedschaft zu, gebt mir nen’ Mitgliedsantrag!”, mir wird geantwortet: ” Bei uns ist das leider nicht möglich.” – Achso, noch nicht einmal Mitgliederbeiträge (bares Geld) helfen mir hier weiter… und das unter Neoliberalen – wir sind am Ende. Mein Redebeitrag wird allerdings trotzdem knapp mit 14:10 Stimmen zugelassen. Ich äußere mich weder pro noch contra Laguna und filetiere das Thema in die eigentlichen Diskussionpunkte, immerhin fünf an der Zahl, die selten in der Summe derart erwähnt werden. Einzelne Redebeiträge beschränken sich auf einzelne Inhalte. Es wird Pro-Laguna gestimmt und der formelle Teil des Abends in den informellen Teil überführt.

Ich habe versucht zwischen den Zeilen zu lesen und durfte feststellen, dass die Piraten durchaus die Parteienlandschaft in Umwälzung Versetzen – versteckt hört Andeutungen zu mehr Transparenz und Bürgernähe.

Part2 – Wein, Unterhaltungen und Entwicklungsaufgaben für die Piraten

Nach dem offiziellem Teil kam die KPT-Party und damit auch Raum zu vielen Gesprächen mit der FDP-Basis. Divergenzen zwischen Bund, Land und Kreis werden deutlich, die eigens geschaffenen Strukturen der FDP schafft Kommunikations und Wertebarrieren.

Nun zu den Piraten: Wir haben diese Barrieren nicht. Und das ist auch gut so. Allerdings haben wir strukturelle Barrieren, dadurch, dass wir derzeit unserer Kommunikation nicht angemessen kanalisieren. Wir werden blind durch Vielfalt. In Mailinglisten rauschen täglich zwischen 50 – 100 Mails herein, oft nur Gedankenfragmente oder To-Do-Schnipsel. Jeder darf für sich selbst wieder zusammenfriemeln, was für die Arbeit die er im Moment leiste relevant ist und was nicht. Wir lesen uns zu Tode.

Gedankenfragment hierzu:

Wir sind im Aufschwung. Bekommen täglich neue Mitglieder. Unsere Kommunikationsstrukturen sind allerdings in keinster Weise auf solche eine große Anzahl von Mitgliedern ausgelegt. Wir kommunzieren uns zu Tode, weil:

1. Kriegen wir zu viel Zeug was wir unsere Arbeit nicht brauchen. – Arbeite ich thematisch brauche ich kein Orgazeug und Vice Versa.

2. Verkommt die Mailingliste zum Teil zu einer Art Chat mit ulkigen Veruchen soziale Fellpflege zu betreiben, was jedoch weder organisatorischen noch inhaltlichen Gehalt hat

Ergo: Sollten wir mal über unsere Kommunikationsstrukturen nachdenken.

Doch nicht nur Kommunikation spielt hier eine Rolle sondern auch unsere basisdenokratishe Ausrichtung: Basisdemokratie schön und gut – allerdings werden wir schon bald bei konstantem Mitgliederwachstum an unsere Grenzen stoßen – mal wieder strukturelle Grenzen.

Problem: Liquid Democracy-Tools: Liquid-Feedback kann zwar als internes Meinungsbildungstool fungieren, allerdings sind Wahlen damit nicht möglich,da diese Wahlen nicht verfassungskonform wären, da prinzipiell nachvollziehbar.

Gleiches gilt zumindest technich auch für Adhocracy, zudemdiese Plattform in der Regel offen ist für Nutzer von auen und damit unbrauchbar für interne Abstimmungsprozesse. (Zumindest wenn man nicht selbst eine Instanz hostet und ggf. noch anpasst)

Der derzeitig einzige Weg ist meines Erachtens derzeit sich mit dezentralen Parteitagen auseinanderzusetzen.

 

Doch zu guter letzt: Wir sind die Guten! Wir haben die Kekse! Wir können was reißen. müssen aber unsere Methoden und Vorgehensweisen reflektieren.

 

 

 

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